Wie können Pop Up-Stores als effektives Tool gegen wachsenden Leerstand in Innenstädten genutzt werden? Gerade in Städten mit hohem Leerstand scheint es oft unmöglich wieder eine deutliche Belebung zu schaffen. Wer möchte schließlich in einer „toten“ Innenstadt ein Ladenlokal eröffnen? Und wie finden sich gleich mehrere Interessenten auf einmal, damit das Stadtbild nicht mehr von Leerstand geprägt wird?
Um dieses Dilemma zu lösen benötigt man eigentlich nur eins: Pop Up-Stores.

Pop Ups als Gegenmittel

Auf der einen Seite profitieren Pop Up-Betreiber von einem geringen Start-Risiko durch überschaubare Mietkosten, kurze Mietzeiträume und den nicht eintreffenden Imageverlust bei Ladenschließung (vor allem in Kleinstädten relevant). Auf der anderen Seite sorgen Pop Up-Stores in der Regel für eine hohe Medienaufmerksamkeit und rücken die Innenstadt so wieder in den Blickpunkt. Das alles sind Vorteile, die Pop Up-Stores so interessant für Einzelhändler machen und natürlich auch für die, die es werden wollen. Für das Leerstandsmanagement einer Stadt stellen Pop Up-Stores vor allen Dingen eine Chance als schnelles und medienwirksames Hilfsmittel für eine Revitalisierung des Zentrums dar.

Auf der anderen Seite erkennt der Online-Markt mehr und mehr die Vorteile des stationären Handels und dieser Trend kann durch Pop Up-Stores unterstützt werden. Produkte werden im Laden erlebbar und können entsprechend inszeniert werden. Teilweise kann die stationäre Sichtbarkeit sogar helfen hohe Marketingkosten von Online-Händlern zu reduzieren. Je nach Produktart und Gewerbe ergeben sich für Pop Up-Betreiber noch zahlreiche weitere Vorteile.

Verschiedene Zielgruppen für Pop Up-Betreiber

Bezogen auf eine Kleinstadt mit (noch) geringer Passantenfrequenz sind vor allem Pop Up-Betreiber wie Handwerker oder Kunstschaffende eine interessante Zielgruppe. Diese streben nicht zwingend eine primäre Lage inmitten einer lebendigen Einkaufsstraße an, sondern suchen häufig nach einem „Arbeitsort“ mit möglichst geringer Miete. Diese Zielgruppe hat den entschiedenen Vorteil, dass die Öffnungszeiten im Ladenlokal jederzeit durch die Herstellung des eigenen Produkts effektiv genutzt werden können und der Vertrieb im besten Fall auch online läuft. So ergibt sich eine ideale Wertschöpfung aus Offline- und Online-Handel.

Gleichzeitig bietet sich durch einen Pop Up-Store die Chance für Kreative, Handwerker und Hobbykünstler ihren Traum von einem eigenen Laden erst mal zu testen und sich gleichzeitig für die Stadt einzusetzen. Dies gilt insbesondere auch für den bestehenden Einzelhandel, der natürlich ein großes Interesse an der Belebung der eigenen Stadt hat. Für diese ergibt sich durch einen zusätzlichen Pop Up-Store die Chance, ein neues (außergewöhnliches) Produkt auf dem Markt zu testen, eine neue Zielgruppe zu erreichen oder sogar das Image zu erneuern.

Eine weitere Zielgruppe insbesondere für periphere Lagen sind Geschäfte, die einen besonderen Service oder ein einzigartiges Produkt bieten und bei denen die Lage auf Grund des besonderen Angebotes zweitrangig ist. Diese Läden funktionieren meist über Mund-zu-Mund Propaganda und bringen zusätzliche Passantenfrequenz in den Bereich.

Junge Unternehmen können ebenfalls eine interessante Zielgruppe sein, da diese sich eventuell einen Laden in einer guten Lage noch nicht leisten können und trotzdem gerne einen ersten eigenen Laden testen möchten.

Kurzum – Pop Up-Stores minimieren Risiken, bieten kreativen Spielraum ein Ladenlokal (provisorisch) zu gestalten und ermutigen Händler einen eigenen Store mit „Testcharakter“ zu eröffnen. Test-Charakter bedeutet in dem Zusammenhang auch, dass sich aus einem Pop Up-Store durchaus ein dauerhaftes Geschäft entwickeln kann. Ist der Laden nämlich einmal eröffnet ist das Interesse häufig groß das Projekt fortzuführen. Pop Ups können zu kreativen, bunten Treffpunkten werden, wo sich Menschen austauschen können und die Produkte wieder erlebbar werden. Sie stellen DIE Schnittstelle zwischen stationärem und Online-Handel dar und ermöglichen es die Vorteile beider Kanäle auszuschöpfen.

Auch die Beschaffenheit der Ladenlokale in Kleinstädten bzw. ländlichen Räumen mit kleinflächigem Verkaufsraum auf teilweise verschiedenen Ebenen muss kein Nachteil für einen Pop Up-Store sein. Im Gegenteil – so können gerade die kleinen Geschäfte mit einer individuellen Produktauswahl eine besondere Wertigkeit schaffen und qualitative Ware in den Vordergrund stellen. Manchmal ist weniger eben mehr! Trends wie Individualisierung und Regionalisierung fördern diese kleinen, kreativen Läden.

Pop Up-Stores in Altena

In Altena, einer Kleinstadt im Sauerland, hat das Pop Up-Store Projekt 2014 erfolgreich dazu beigetragen die Innenstadt zu beleben und für Bewohner, wie Touristen attraktiver zu machen. Nach zwei Pop Up-Testphasen von jeweils 6 Wochen haben sich 7 von 13 Teilnehmern langfristig für einen Standort in der Altenaer Innenstadt entschieden. Allein der Begriff Pop Up, der bisher in den wenigsten Kleinstädten bekannt ist hat dabei für eine große Medienaufmerksamkeit gesorgt.

Die Autorin

Julia Hußmann, verantwortlich für die Bereiche Tourismus und Innenstadtmanagement der Stadt Altena, ist verantwortlich für die positive Entwicklung der Altenaer Innenstadt. Sie initiierte das innovative Konzept im vergangenen Jahr und landete damit einen Volltreffer.