Bei einem Abstecher nach Köln haben wir Cem Yilmaz in seinem Store – dem GREATLIVE – besucht. Bereits von der gegenüberliegenden Straßenseite ist der Store in Sperrholzoptik und mit den großen Schaufenstern kaum zu übersehen. Und auch von innen bieten die 230 m² des Ladens mit viel Holz und hellen Wänden einen ganz besonderen Anblick. Auf unserer Plattform präsentiert Cem seinen Store und hofft außergewöhnliche und kreative Pop Up-Ideen kennenzulernen, die zu seinem Laden passen. Im Interview mit uns hat er ganz offen über sich und den GREATLIVE Store gesprochen.

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Haben zuvor schoneinmal Pop Up-Events in deinem Laden stattgefunden?

Ja, wir hatten schon einige. Das letzte ist auch gar nicht so lang her. Das war eine Collaboration von zwei Labels: A Licky Boom Boom Down & DjiNNS, die eigentlich Schuhe und Caps herstellen. Die haben eine Sonderedition von einem roten Turnschuh hergestellt. Dafür wurde das Ladenlokal leergeräumt, das machen wir eigentlich immer so, wenn hier ein Event stattfindet. Natürlich in Absprache mit den Leuten, wir wollen ja auch, dass sich alle hier wohl fühlen.

Ein anderes mal haben wir auch mit “Lemonaid” gearbeitet. Die haben hier eine Cocktail-Schulung veranstaltet. Da haben wir dann eine Cocktailtheke mitten im Laden aufgebaut. Die haben Partner aus der Gastronomie eingeladen und den Gastroleitern dann gezeigt, wie man aus Lemonaid-Getränken bestimmte Cocktail Varianten machen kann – z.B Caipirinha.

In der Richtung haben wir wie gesagt schon sieben/acht Sachen gemacht. Unsere Kernintention ist Upcycling, kleine Labels, Political Correctness, ohne das jetzt zu übertreiben. Am Ende des Tages versuchen wir in dem Laden so viele Ansätze, die korrekt sind, umzusetzten wie es nur geht. Das heißt alle Klamotten die wir verkaufen sind aus Bio-Baumwolle. Hier gibt es niemanden der Massenware aus China anbietet. Das passt einfach nicht in unser Konzept. Hier werden nur Sachen verkauft die Leute auch “per Hand” machen und uns ästhetisch gut gefallen. Uns ist es natürlich auch wichtig, dass die Leute die kommen keine Hobbybastler sind, sondern professionell arbeiten und das auch ernsthaft verfolgen. Im Prinzip geht es um den regionalen Gedanken. Wir haben mit sehr vielen Kölnern angefangen und sind dann Deutschlandweit gegangen. Am Ende des Tages haben allerdings alle einen gemeinsamen Nenner: Alle haben in einem Hinterhof angefangen, manche größer, manche kleiner – und selbst die größeren Labels sind am Ende auch lokal.

Das heißt, wir achten darauf, dass, auch wenn Labels im Ausland produzieren, sie auch anständige Zertifikate vorweisen können. Unser Laden hat einfach einen Rahmen, in dem wir uns bewegen wollen, und das heißt keinen “Billig- Schrott”, der mit Container- Schiffen hierüber transportiert wird.

Das Belgische Viertel ist hier in Köln als Standort ja sehr beliebt. Warum hast du dich dagegen entschieden?

Man muss ja ganz klar sagen, dass Köln eine Großstadt ist, die einen Kleinstadt-Vibe mit sich bringt. Selbst nachts kann man mal vom Kölner Norden in den Kölner Süden in 45 Minuten laufen. In der Zeit schafft man in Berlin gerade mal einen Kiez. Das ist ja die Grundsätzlichkeit hier in Köln – das Lokale; alles ein bisschen eng, alles überschaubar. Vorallem in so einem Kontext macht sich das natürlich bemerkbar: In nur wenigen Minuten kannst du dir viele Läden anschauen. Der eine findet es vielleicht ein bisschen doof, dass, wie in der Kleinstadt-Fußgängerzone, sich alles auf einer Straße befindet. Allerdings sieht man auch im Belgischen Viertel die Entwicklung der letzten Jahre. Es expandiert  immer weiter und die Gentrifizierung macht den Leuten Probleme. Früher war es easy für 400-700 Euro ein kleines Ladenlokal anzumieten. Das kostet mittlerweile auf einmal das doppelte. Wir zum Beispiel sind hier in der Ecke, weil wir uns die Ladengröße mit den ganzen Räumen im Belgischen Viertel einfach nicht leisten können. Das kostet da das dreifache an Miete. Dort würde unser Konzept einfach nicht funktionieren. Ich müsste kommerzieller arbeiten damit das funktioniert. Wir haben uns extra diesen Standort gesucht, weil wir hier freier agieren können, da der finanzielle Druck einfach nicht da ist. So können wir auch experimentieren und mit kleineren Sachen arbeiten. Im Belgischen Viertel muss man immer auf den Euro gucken. Müssen wir natürlich auch, aber wenns mal nur ein halber Euro ist, dann blutet uns nicht direkt das Herz. Netten Leuten und kleinen Lables wollen wir eine Chance geben.

Was ist euer Zielpublikum hier im GREATLIVE Store?

Leute, die noch nie hier waren, assozieren unser Geschäft immer automatisch mit “voll teuer”, nur für hippe, Bio-Apfel kaufende Leute. Alles Quatsch! Unser Klientel geht wirklich von 13-jährigen Jungen, die mit ihrer Mutter hierhin kommen, weil sie skaten cool finden, bis hin zu Leuten zwischen vielleicht 30 und 40, die Wert auf Individualität legen. So wie bei mir als Student. Hierhin kommen Leute Mitte 20, die eine Schallplatte kaufen; Ehepaare, die Einrichtungsgegenstände für ihre Wohnung suchen..

Wir wollen, dass es für alle spannend ist. Wir versuchen Deals zu machen, mit denen die Anmutung von “zu teuer und modern” erst gar nicht entsteht.

Es ist doch ein trauriges Klischee, dass etwas, nur weil es bio ist, direkt viel zu viel kostet. Hier ist es so, dass wir den Leuten zeigen wollen, dass sie nicht unbedingt 100 € für ein Bio T-Shirt ausgeben müssen und das Sachen, die handgemacht sind mitunter auch einfach länger halten. Möbelstücke, die wir hier verkaufen, kann man sich auch mal 10 Jahre in die Wohnung stellen, ohne dass sie uncool werden.

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Und was ist deiner Meinung nach das Spannende an dem Pop Up-Konzept ?

Das Gute ist, dass man Leuten eine Chance gibt, die sonst chancenlos auf dem Markt sind. Es gibt Leute, die denken “ich mache einen Online-Shop und kann mein Zeug super verkaufen”. Ärgerlich nur, wenn man der Millionste Mitmacher ist. Da hat man also die selben Probleme, wie alle anderen, die sich auf dem Markt etablieren wollen: Wie finden mich die Leute?

Das Kernproblem ist, dass die Idee von Leuten, die kreativ oder auch handwerklich arbeiten und Zeit investieren, langfristig im gemieteten Einzelhandel flöten geht. Jemand der vorher zum Beispiel eigene Kleidung herstellt und dann einen eigenen Laden eröffnet, ist ab dem Zeitpunkt nur noch Geschäftsmann, aber kein Schneider mehr. Man muss sich entscheiden, man kann nur das eine oder andere sein.

Mit einem Pop Up kann man für einen kleinen Moment sein eigener Herr sein, ohne langfristige Verträge und Verbindlichkeiten einzugehen. Man kann sehen, wo der eigene Marktwert ist. Mit dem Pop Up kann man weg aus dem Internet und rein ins reale Leben und ein bisschen mehr Kauferlebnis generieren. Und das ist glaube ich auch das Wichtigste. Dass man seine Sachen in einem guten Rahmen produzieren kann. Ansonsten ist es halt wahnsinnig viel Arbeit. Man hat keine Freizeit mehr, keine Zeit mehr für die Familie. Das ist das schöne am Pop Up-Store. Du kannst für einen kurzen Zeitpunkt das sein, was du eigentlich nicht sein kannst. Das ist ein gutes Modell.

Als letzte Frage noch: Du hast im Beschreibungstext des GREATLIVE Stores auf unserer Plattform geschrieben, dass du selbst viel Arbeit in deinen Laden reingesteckt hast und von Anfang an vom Laden begeistert warst. Was genau hat dich denn an diesem Laden so begeistert, als du ihn das erste Mal gesehen hast ?

Was mich begeistert hat? Die Struktur muss man ganz klar sagen. Ich wohne schon Jahre hier in Köln und habe noch keinen einzigen Laden gesehen, der so eine komische Fassade hat. Ich komme aus einer kleineren Stadt, und der Laden hier sieht aus, wie ein Schuhhaus bei meinen Eltern im Kleinkaff.

Und sowas gibt es in Köln einfach nicht mehr. Aus einem einzigen Grund: Es wird immer nur aufs’ Geld geguckt.

Ich war der 51. Bewerber. Der Vermieter hatte hier viele richtig große Franchise-Ketten unter den Bewerbern. Ich war der Chancenloseste nach meinem Erachten. Dann hat er mich gefragt, was ich hier drin denn machen wollen würde. Ich habe gesagt, dass ich hier eigentlich gar nichts machen würde. Die Grundstrukturen haben wir nämlich erhalten gelassen. Die anderen Bewerber wollten hier einiges rausreißen und umändern, auch die Schaufensterfläche.

Das spannende an den 110 m² Schaufenster ist hier aber ja auch die Tiefe. Man kann dreidimensional arbeiten. Wir haben hier schon Landschaften reingebaut oder auch Wohnzimmer nachgestellt. Diesen Sommer wollten wir als Kunstprojekt auch mal jemanden für drei Tage im Schaufenster wohnen lassen.

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Mein Vermieter hat dann gesagt, dass er den Boden und die Decke selber schön findet. Deswegen haben wir das Ladenlokal auch bekommen, obwohl wir eigentlich der wirtschaftlich schlechteste Bewerber waren. Dass wir den Laden bekommen haben, lag echt am Geschmack des Vermieter, mit dem wir jemanden gefunden haben, der es gut fand auch gegen diese Franchise-Prinzipien zu spielen. Da haben sich einfach zwei gefunden.

Aus eurem Laden ist wirklich was geworden, das muss man sagen!

Mit unseren bescheidenen Verhältnissen und ohne, dass wir mit Millionen Euro hierein gegangen sind, sind wir auch selber sehr glücklich darüber. Es ist schön, dass Leute verstehen, dass man natürlich auch Geld verdienen möchte und sich eine Existenz aufbaut, aber gleichzeitig versucht das auf einer spielerischen Ebene zu machen. Keiner von uns ist reich. Alles was man hier sieht ist hart erarbeitet, durch Fleiß und auch extrem viele Überstunden. Aber ich glaube sowas merken die Leute, ob man authentisch ist, sowas gerne macht und ob Herzblut dahinter steckt.

 

Wir möchten uns bei Cem für das spannende Interview bedanken!
Und wenn du jetzt Interesse am GREATLIVE Store hast, kannst du ihn dir hier noch genauer anschauen und deine Buchungsanfrage stellen. Und vielleicht ist es dein Pop Up-Store, der schon bald im GREATLIVE eröffnet!